Ben Ashton: Basler Deep House für die weite Welt

Ben Ashton

Sogar mein Grossvater findet meine Deep-House-Tracks spannend.

Deep House ist die Domäne von Ben Ashton. Bis zu 12’000 Klicks hat der Basler Gymnasiast, der mit bürgerlichem Namen Emanuel Schlaefli heisst, auf seinen Deep-House-Tracks bei Soundcloud. Im Interview mit miwi.ch spricht der 18-Jährige über die Musikproduktion im eigenen Kellerstudio, seine Anfänge als DJ in Sissach und dem Traum von Gigs in der ganzen Welt.

miwi.ch: Ben Ashton, wie bist Du zum DJing gekommen?
Ben Ashton: Ich fand DJing zwar schon als Kind cool, dass ich aber selber damit begonnen habe, war dann doch eher Zufall. Als ich einem Kollegen davon erzählte, stellte sich heraus, dass dieser bereits nach Occasion-DJ-Pulte Ausschau gehalten hatte. Da er nicht das Budget hatte, kaufte ich mir im Internet ein Pult und ein paar Platten dazu. Das war der Anfang. Ich habe dann mit den Platten experimentiert – zuerst mit Hip Hop und Rock. Später stiess ich auf das Projekt «Real DJ», das in der Nordwestschweiz DJs und elektronische Musik fördert. Damals existierte es aber erst als Club Underground in Sissach. Ich buchte dort eine DJ Session und lernte die Personen dahinter kennen.

Beim Shake It DJ Contest (2011).
Beim Shake It! DJ Battle (2011).

Dann wurde aus Emanuel Schlaefli der DJ «Ben Ashton». Warum dieser Künstlername?
Meinen wirklichen Namen fand ich nicht so passend, denn Emanuel Schlaefli ist nicht unbedingt für die grosse Bühne gedacht. Ich brauchte also einen Künstlernamen. Da habe ich über Monate studiert, wie ich mich nennen könnte. Ich wollte einen Namen, der unabhängig vom Musikstil ist. Ben kommt von meinem zweiten Vornamen Benjamin. Ashton fand ich per Zufall im Internet – übrigens nicht bei Ashton Kutcher, wie alle meinen – dann habe ich mich für Ben Ashton entschiedenen.

Hattest Du vorher schon einen Bezug zur Musik?
Mein Vater ist Dirigent und viel unterwegs. Dadurch habe ich als Kind schon viel von der Musik mitbekommen. Meine Eltern haben mich auch angespornt, ein Instrument zu spielen. Ich habe so gut wie alles angefangen – und mit vielem nicht weitergemacht: Zuerst Geige, dann Schlagzeug, dann Oboe, dann wieder Schlagzeug. Posaune spielte ich ein, zwei Jahre. Mit dem Trompetenspielen habe ich auch begonnen, am Längsten spielte ich Saxophon und seit einem Jahr spiele ich Klavier.

Deep House ist vielseitig. Das gefällt mir.

Ben Ashton
Ben Ashton in seinem Kellerstudio in Basel.

Inzwischen produzierst Du auch eigene Tracks. Die Zeiten, in denen ein DJ nur Platten aufgelegt hat, sind vorbei?
Das habe ich zuerst schon auch gemacht. Da war ich der DJ und habe einfach Übergänge und Effekte produziert. Ich habe 2011 zum Beispiel am Shake it! DJ Battle mitgemacht und gewonnen. Seit anderthalb Jahren lege ich den Fokus aber auf das Produzieren und das Studio. Das ist ein normaler Weg. Viele Künstler, die als DJs angefangen haben, werden später Produzenten. Wenn du Tracks unter deinem eigenen Namen veröffentlichen kannst, steigerst du auch deinen Bekanntheitsgrad, da der Name überall auftaucht.

Was fasziniert Dich am Produzieren?
Ich finde es toll, dass ich mich hinsetzen und meiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Die elektronische Musik ist in keinster Weise einschränkend. Es gibt nur wenige Strukturen, die eingehalten werden. Es ist alles toll, wenn es dem Publikum und dem Künstler gefällt und wenn es dieser überzeugend rüberbringen kann. Natürlich ist es eine Herausforderung.

Wie entwickelst Du zu Hause einen Track, der auch beim Publikum in einem Club gut ankommt?
Natürlich denke ich einerseits daran, was beim Publikum ankommen könnte. Zum Beispiel beim Aufbau eines Stücks mit einem grossen Aufbau und dann einem monotonen Drop. Noch wichtiger ist aber, etwas zu Produzieren, das auch mir gefällt. Ich suche eine coole Melodie und mache mich ans Arrangieren. Die Tracks sollen ja nicht nur im Club gut funktionieren, sondern auch beim normalen Hören.

ben ashton

Ich habe wahnsinnig Spass in einem Studio zu sitzen und zu experimentieren.

Woher bekommst Du Inspiration für Melodien?
Das kann ich nicht wirklich sagen. Manchmal kommt mir eine Melodie einfach so, manchmal experimentiere ich am Klavier. Teils beginnt es mit einzelnen Akkorden oder einer ganzen Melodieabfolge oder einer Baseline. Daraus mache ich dann einen Loop. Gerade beim Deep House ist die Baseline wichtig, so baue ich meistens als erstes einen Drumloop mit einer Baseline. Dann kommen die Instrumente und manchmal die Vocals dazu, gleichzeitig beginne ich mit dem Arrangement. Es kann zwei Tage oder auch drei Monate dauern bis ein Stück fertig ist.

Was gefällt Dir am Deep House?
Ich habe sehr viel experimentiert und wie bei den Instrumenten einiges ausprobiert. Am Deep House gefällt mir, dass es im Club richtig abgehen kann. Andererseits kann Deep House aber auch gemütlich und schön sein. Man kann einen Track monotoner bauen oder melodiös, wie ich das gerne mache. Der Deep House ist sehr vielseitig und auch vom Tempo unterschiedlich. Das gefällt mir.

Gibt es ein Zielpublikum?
Nein. Natürlich ist das Zielpublikum von elektronischer Musik vor allem die Jugend. Meine Tracks sprechen sicherlich junge Menschen am meisten an. Aber meine Mutter zum Beispiel findet meine Musik auch cool und sogar mein Grossvater fand es spannend. Ich sage auch nicht, dass bestimmte Leute meine Musik hören sollen. Ich freue mich, wenn andere Freude daran haben.

Macht du eine «Härteprobe» vor Live-Publikum, also legst Du noch auf oder stellst Du Deine Tracks nur noch ins Internet?
Ich hatte zwei, drei Mal aufgelegt. Aber ich habe nun seit rund einem Jahr nicht mehr in einem Club gearbeitet. Jetzt liegt der Fokus, auch aus Zeitgründen wegen der Matur, beim Produzieren. Ich bin nicht unbedingt auf der Suche nach Auftritten. Dies ist nicht der Hauptantrieb. Ich habe einfach wahnsinnig Spass in einem Studio zu sitzen und zu experimentieren.

Bisher kann ich von den Einnahmen höchstens ab und zu eine Cola kaufen.

ben ashtonDu hast in Zürich die Ausbildung zum Electronic Music Producer gemacht. Was hast Du dabei gelernt?
Das war ein Kurs an einer Schule für Tontechnik, der über ein halbes Jahr jeden Samstag stattfand. Dort habe ich vor allem technisches Wissen erlangt. Dies hat mir geholfen, meine Produktionen qualitativ zu verbessern. Ich habe mir während dieser Ausbildung auch mein Studio im Keller eingerichtet. Dieses ist voll aufs Produzieren ausgerichtet und es kommen immer wieder neue Geräte dazu, die ich mir aus meinem Verdienst als Velokurier finanziere. Die DJ-Anlage steht inzwischen in meinem Zimmer.

Deine Tracks haben zum Teil rund 12’000 Klicks auf Soundcloud. Was ist das für ein Gefühl?
Ich möchte betonen, dass ich keine Klicks gekauft habe. Das könnt man ja bei dieser Anzahl schon meinen. Ich begann jedoch früh, Personen anzuschreiben, die Musik teilen. Ich hatte das Glück, dass meine Tracks von Personen geteilt wurden, die fast 20’000 Abonnenten haben. Dadurch gingen die Klicks hoch. Da war ich am Anfang selber überrascht. Es gibt schon ein tolles Gefühl, wenn du weisst, dass mehrere tausend Personen auf deine Tracks geklickt und diese angehört haben.

Mit Ben Yoo Suk hat es beim gemeinsamen Produzieren super harmoniert.

Der Zürcher DJ Ben Yoo Suk.
Der Zürcher DJ Ben Yoo Suk.

Ganz frisch ist eine Zusammenarbeit mit Ben Yoo Suk aus Zürich. Ihr habt den Track «Lights» gemeinsam produziert. Wie kam es dazu?
Er hat meinen Soundcloud-Account entdeckt und mich angeschrieben. Zuerst war ich eigentlich nicht an einer Zusammenarbeit interessiert. Ich habe mir dann jedoch seine Musik angehört. Sie geht in eine ziemlich andere Richtung als meine und da fand ich, dass es doch spannend wäre, unsere Stile zu kombinieren. Diese Kombination hört man bei unserem ersten gemeinsamen Track «Lights» auch, wie ich finde. Er unterscheidet sich sicherlich von unserer bisherigen Musik, die wir alleine produziert haben.

Die unterschiedlichen Stile könnten aber auch zu Konflikten führen?
Aus meiner Sicht war dies überhaupt nicht so. Die Ideen, die Ben brachte, fand ich «sehr geil». Die Akkorde und die Baseline ist zum Beispiel von ihm. Ich glaube nicht, dass ich auf diese Idee gekommen wäre. Wir haben uns aber auch menschlich super verstanden und der Track war nach einem Tag fast fertig.

Das tönt nach einer weiteren Zusammenarbeit?
Ja, wir planen sicherlich weiter und werden im nächsten Jahr wieder an Tracks experimentieren. Wir überlegen uns auch einmal zusammen aufzulegen.

Wo siehst Du Deine Zukunft?
Ich überlege mir ein Studium in Richtung Tontechnik. Aber der technische Prozess ist nicht mein Fokus. Vielleicht geht es nach dem Gymnasium auch an ein Wirtschaftsstudium, weil die Musikbranche doch sehr heikel ist. Es gibt aber derzeit einige Aussichten auf Gigs. Eventuell sogar im Ausland. Natürlich wäre es ein Traum, das Ausland zu entdecken und dort eine Zeit lang Musik zu machen und eventuell davon zu leben. Bisher kann ich mir aus meinen Einnahmen höchstens einmal eine Cola leisten. Berlin oder London zählen zu den Hochburgen, aber auch Zürich hat einiges zu bieten an elektronischer Musik. Deutschland ist aber für Deep House am Grössten, denke ich. Das ist aber ein Traum und wenn es nicht klappen sollte, wäre ich auch nicht enttäuscht.

ben ashtonZwei Song von Ben Ashton sind hier auf iTunes zu finden. Mehr über den Musiker gibt es auf seiner Facebook-Seite und auf Soundcloud. Der Track «Lights» kann auf trndmsk gratis heruntergeladen werden.