Vincent Gross: Ein musikalischer Basler greift nach den Sternen

Vincent Gross

Eine eigene Headline-Tour wäre sicherlich das Geilste.

Er ist 18 Jahre alt. Hat über 10’000 Fans auf YouTube, Facebook und Twitter. Das allererste Cover-Video, das der talentierte Basler vor drei Jahren aufgenommen hat, erreichte inzwischen rund 153’000 Views. Nun nimmt Vincent Gross in Zürich seine erste Akustik-EP auf und tritt nächste Woche im Tessin beim Swiss Talent Award an. miwi.ch traf den jungen Songwriter, der in Vergangenheit auch als Taekwondo-Sportler erfolgreich war, und sprach mit ihm übers Songschreiben, Musikträume und Absagen an Boygroup-Projekte.

miwi.ch: Vincent Gross, seit drei Jahren lädst du Songs auf YouTube. Warum hast du damit begonnen?
Vincent Gross:
Das werde ich natürlich immer wieder gefragt. Ich habe damals einfach die YouTuber aus aller Welt bewundert und mich gefragt, wie sie auf eine so hohe Zahl an Abonnenten kommen. Dann begann ich zuerst verschiedene Videos, zum Beispiel von Fussball-Spielen, hochzuladen. Das war mir aber irgendwann zu unpersönlich. Da ich sehr musikalisch bin, dachte ich, dies wäre eine Möglichkeit und wieso sollte ich es nicht wie Justin Biber oder Austin Mahone versuchen. Am Anfang waren die Videos zwar noch um einiges schlechter als heute. Ich wollte jedoch nicht aufgeben und habe mich so immer wieder verbessert. Das Ziel ist aber noch lange nicht erreicht.

Ich konnte an Anfang genau zwei Akkorde, die mir mein Bruder beigebracht hatte.

Warum dachtest du, was Justin Biber kann, kann ich auch?
Eine Sicherheit hatte ich natürlich nicht. Erst im Sommer davor begann ich mit dem Gitarrenspielen. Ich konnte beim Start genau zwei Akkorde, die mir mein Bruder beigebracht hatte. Damit habe ich dann mein erstes Lied begleitet, wie das in der Popmusik ja so gang und gäbe ist. Ich habe es nicht einmal meinen Kollegen erzählt, dass ich nun YouTube-Videos mache. Das flog dann aber bald einmal auf, als jemand im Internet per Zufall auf ein Video von mir stiess. Inzwischen nehme ich übrigens auch Gitarrenunterricht.Vincent Gitarre

Und das Singen? 
Am Anfang habe ich einfach für mich gesungen und war am Gymnasium im Schulchor. Gleichzeitig mit dem Gitarrenunterricht habe ich aber auch mit Gesangsstunden angefangen, die ich an der Jazzschule Basel nehme.

Du coverst Songs von Justin Biber, One Direction, The Vamps. Andere in deinem Alter würden das Gesicht verziehen. Warum coverst du diese Bands?
Ich persönlich finde diese Musiker, mal abgesehen von den Skandalen, sehr talentiert und auch die Musik gefällt mir. Aber es kommen natürlich auch Wünsche von meinen Abonnenten und diese erfülle ich sehr gerne. Die Songs müssen mir aber in erster Linie gefallen und ich suche mir nicht Songs aus, bei denen ich eine hohe Klickrate auf YouTube erwarte. Falls es das gibt, ist es natürlich umso schöner.

Eines deiner ersten Cover – nämlich ein Song von Justin Bieber – hat inzwischen gegen 153’000 Aufrufe. Da kann man schon ein wenig stolz sein, nicht?
Das war ein richtiger Topshot, ja. Den Song habe ich aufgenommen, als er noch gar nicht erschienen war. Das hat natürlich geholfen. Ein YouTube-Kollege aus Südafrika stiess vor mir durch ein Konzert auf diesen Song. Er hatte dann eine Preview gecovert und dieses Video habe ich dann kopiert.

Wann hast du begonnen eigene Songs zu schreiben?
Das war, nachdem ich im Januar 2013 für ein deutsches Boygroup-Projekt angefragt wurde. Jemand hatte mich im Internet entdeckt. Es kam für mich aber nicht in Frage, nach Berlin zu ziehen und dort mitzumachen. Inzwischen ist das Projekt auch gescheitert und ich bin froh, dass ich abgesagt habe. Weitere Anfragen, auch von Casting-Produzenten, habe ich bisher ebenfalls ausgeschlagen. Es war nicht das Richtige dabei für mich. Aber auf Grund dieser Anfragen habe ich gedacht, ich kann und will es alleine schaffen und habe mit dem Songschreiben angefangen.

Angebote von Casting-Produzenten und Boygroup-Managern, die mich auf YouTube entdeckt haben, habe ich bisher ausgeschlagen.

Wie entstehen deine Lieder?
Das ist unterschiedlich. Ich kann mich jedoch nicht zum Songschreiben zwingen. Da verkrampfe ich mich. Die Melodie muss aus dem Herzen kommen und die Texte dazu sind aus dem Leben gegriffen. Manchmal kommen die Ideen auch einfach so. Eine kam mir zum Beispiel am Morgen beim Aufwachen: Als ich aus dem Fenster sah und es hatte Nebel kam mir eine schöne Melodie in den Sinn, die dann zu einem Song führte. Dies ist zwar etwas ironisch, aber es stimmte für mich.

Woher kommt dein Musiktalent?
Meine Eltern haben viel Musik gemacht. Mein Vater spielt ebenfalls Gitarre und singt auch in einem Chor. Ich bin daher sehr musikalisch aufgewachsen.

Was hast du sonst für Hobbys?
Ich habe während vier Jahren Leistungssport gemacht: Taekwando. Das war ich auch erfolgreich und habe an internationalen Turnieren gekämpft und den einen oder anderen Titel gewonnen. Aber nun hat die Musik schon Überhand genommen.

Vincent StudioVor kurzem hast du in Zürich deine ersten Akustik-Songs in einem Studio aufgenommen. Wie kam es dazu?
Da half mir ein Kollege, der DJ ist. Für ihn hatte ich einmal im Studio die Vocals zu einem Song eingesungen. Der Produzent fragte dann, ob ich auch eigene Songs habe. Er hat mir dann angeboten ein Demoalbum aufzunehmen. Das war natürlich cool für mich und ich wollte diese Chance nutzen, da ich ja keine Plattenfirma habe, die mir den Rücken stärkt.

Hast du vor, diese aufgenommenen Songs auch zu veröffentlichen?
Ja schon. Es werden voraussichtlich sieben Songs und ein Bonustrack. Ich habe vor, sie auf iTunes und weiteren Musikplattformen zu veröffentlichen. Alles auf eigene Faust. Da bin ich gespannt, wie es ankommt und hoffe natürlich, dass einige meiner über 10’000 Follower auf Facebook, Twitter oder YouTube die Songs downloaden. Natürlich werde ich das Demo auch an Plattenfirmen schicken und mal schauen, was dann passiert.

Zur Zeit nehme ich fast alle Aufritte an, die mir angeboten werden.

Wie ist es mit Auftritten?
Zur Zeit nehme ich praktisch alles an, was mir angeboten wird. Ich spiele ab und zu bei Open-Stage-Veranstaltungen oder Musik-Wettbewerben, wo ich mein erstes Geld mit Musik verdienen kann. Nächste Woche nehme ich auch beim Swiss Talent Award im Tessin teil. Das spiele ich im „Das Zelt“ vor fast 1500 Zuschauern, was ich bisher noch nie konnte. Da freue ich mir sehr darauf und will natürlich überzeugen.

Du bist in einem Jahr mit dem Gymnasium fertig. Wo siehst du deine Zukunft?
Ich werde zuerst wohl ein Zwischenjahr einschalten und voraussichtlich den Zivildienst in einem Spital absolvieren. Ob ich dann allenfalls Wirtschaft studieren werde, weiss ich nicht. Das würde mich aber auf jeden Fall interessieren, obwohl es ein hartes Pflaster ist.

Was möchtest du mit der Musik erreichen? Was hast du für Träume?
Da bin ich durchaus realistisch und möchte bodenständig bleiben. Ich würde zum Beispiel nie die Schule für die Musik schmeissen, da es doch sehr unwahrscheinlich ist, eifach so den Durchbruch zu schaffen. Natürlich wäre ich froh, wenn es klappen würde und ich irgendwann einmal von der Musik leben könnte. Das Geilste wäre sicherlich eine richtige Headline-Tour – aber das sind halt einfach Träume.

Das Akustik-Album von Vincent Gross erscheint voraussichtlich im November auf iTunes. miwi.ch wird dann wieder berichten. Zur Zeit lohnt sich ein Besuch auf dem YouTube-Kanal von Vincent unter youtube.com/user/heychillone und der Facebook-Seite facebook.com/VincentGrossMusicHier ausserdem eine Demo-Version des Songs „Where Are You Now“, der auch auf der EP erscheinen wird.

Vincent


ÜBER DEN AUTOR:
miwiGesungen habe ich immer gerne – leider nur auf Schulchor-Niveau. Heute beschränke ich mich daher lieber auf das Musikhören. Gut, gehörte zu meinem ersten Job beim Radio auch das Einsortieren der neuen CDs. Da gab es viele neue Musik zu entdecken. Auch heute gehe ich regelmässig auf Entdeckungstour – weltweit im Web. Meine Abenteuer teile ich hier auf miwi.ch gerne mit Euch. Mehr über mich gibt es unter michaelwieland.ch zu lesen.


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