Jeremy Loops über seine Schweizer Wurzeln, knallharte Ziegen und die bevorstehende Europatour

jeremy loops

Alle haben mir gesagt, dass meine Träume verrückt sind.

Über den südafrikanischen Musiker Jeremy Loops habe ich bereits mehrfach berichtet. Im Sommer gewann der Künstler, der mit seiner Organisation Greenpop auch Schüler für den Umweltschutz begeistern will, in Afrika den MTV Music Award für Best Pop & Alternative. Im Februar kommt der 31-Jährige nun auf seiner ersten grossen Europatour auch in die Schweiz. Im E-Mail-Interview mit miwi.ch erzählt Jeremy Loops von seinen Schweizer Wurzeln, teilt seine Gedanken über die bevorstehende Tour, und verrät, dass sein Debütalbum Trading Change auch bald in Europa erhältlich sein wird.

miwi.ch: Jeremy Loops, du hattest meiner Meinung nach ein grossartiges Jahr 2015. Was denkst du darüber?
Jeremy Loops: 2015 war für uns das grösste und vielbeschäftigste Jahr bisher. Wir waren auf drei Touren durch die USA, und begleiteten Twenty One Pilots auf ihrer Europatour. Das sind wichtige Meilensteine. Ich habe jedoch auch die Auseinandersetzung mit meinem Lebensstil als Musiker genossen und damit, wie man die ungewöhnliche Arbeitszeit und die Routine einmal mit einem Leben als Familienvater und meinen weiteren Ambitionen zusammenbringen kann. Es fühlt sich wirklich gut an, zu sehen, dass ich nichts davon aufgeben muss, um mein volles Potential in der Musik zu erreichen.

Wann hast du mit dem Musizieren begonnen?
Ich war schon immer ein sehr kreatives Kind, und daher ist Musik seit vielen Jahren in meiner Seele. Mein erstes Instrument, dass ich gespielt habe, war Gitarre. So richtig zu erlernen begann ich sie aber erst mit etwa 20 Jahren. Ich würde daher sagen, dass das erste Instrument, dass ich wirklich beherrscht habe, die Mundharmonika war. Sie ist dann auch speziell wichtig für mich, weil es da draussen Millionen von Gitarrenspielern gibt, aber nur wenige, die auf diesem Level Mundharmonika spielen. Es ist schön, auf diesem Gebiet einzigartig zu sein.

Wie kommt es, dass du Schweizer Wurzeln hast?
Meine Mutter kommt aus der Schweiz. Mein Vater stammt aus Südafrika. Als meine Mutter eine junge Frau war, zog sie nach Südafrika, weil sie etwas an ihrem Leben ändern wollte. Ich denke nicht, dass sie damals geplant hatte, für immer in Südafrika zu bleiben. Das haben wohl auch meine Grosseltern nicht gedacht. Doch sie hat hier meinen Vater kennengelernt und sich mit ihm ein Leben in Südafrika aufgebaut.

Das heisst, du hast selber nie in der Schweiz gelebt? Sprichst du dennoch etwas Schweizerdeutsch?
Nein, aber ich habe die Schweiz schon viele Male besucht. Mein Schweizerdeutsch ist sehr schlecht, obwohl ich ein paar wichtige Wörter kenne. Meine Cousins und die Familienmitglieder, die in der Schweiz leben, haben mir jedoch versprochen, mir etwas mehr beizubringen, wenn ich in naher Zukunft hoffentlich ein paar Monate in der Schweiz leben werde.

Ziegen sind knallhart!

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Ich habe in einem Interview gelesen, dass du eine spezielle Beziehung zu Schweizer Bergziegen hast. Stimmt das?
Hmm, ich würde jetzt nicht sagen, dass ich spezifisch zu Schweizer Bergziegen eine spezielle Beziehung habe, aber ich liebe Ziegen im Allgemeinen. Sie sind so knallhart! Solch abenteuerlustige, schelmische kleine Unruhestifter. Sie habe definitiv von allen wilden Tieren die beste Persönlichkeit. Hast du schon das Bild gesehen, wenn sie senkrecht Klettern und ihre Köpfe und die flexiblen Hufe benutzen, um zu balancieren. Das ist einfach unglaublich! Im Ernst, ohne Ausnahme: Zeig mir ein Tier, dass mehr Persönlichkeit und den Sinn für Humor hat, als eine Ziege und ich zeige dir eine Bergkette in der Schweiz, die ich dir verkaufen möchte. Haha.

Erzähl uns etwas mehr über dein Debütalbum Trading Change. Hast du einen Lieblingssong?
Trading Change ist mein erstes Album. Es handelt davon, wie ich die schwierige Entscheidung traf, ein geregeltes Leben in der Unternehmerwelt und mit guter Finanzierung zu verlassen, um meinen Träumen zu folgen und ein Leben zu leben, von dem mir von allen immer wieder gesagt wurde, dass es verrückt oder unmöglich ist. Ich liebe 95 Prozent des Albums, weshalb es sehr schwierig ist, einen Lieblingssong herauszunehmen. Aber ich denke, der Song mit der meisten Aussagekraft ist die Leadsingle Down South. Der Song erzählt von den Herausforderungen und Unsicherheiten, die deine Angehörigen fühlen, wenn du das sichere Netz deines Heims verlässt, um deine Träume und Ambitionen zu  verfolgen. Die Leute fühlen sich oft verlassen, auch wenn dies überhaupt nicht deine Absicht ist.

Welchen Einfluss haben Südafrika und verschiedenen Kulturen auf deine Musik?
Jede Erfahrung, die ich habe, formt meine Musik. Das kann so banal sein, wie wenn ich von der Natur beeindruckt werde, oder auch intensiver, etwa bei einer Trennung, Verlust oder Schmerz. Dasselbe gilt auch für die Kultur. Je mehr ich reise und von der Welt sehe, desto mehr verändert sich meine Musik, weil ich die Welt besser verstehe. Ich denke, es ist ein grosses Kompliment, wenn mir Leute sagen, dass meine Musik erkennbare afrikanische Einflüsse und Elemente hat, denn das bedeutet, dass ich aufmerksam war und dies im Unterbewusstsein verinnerlicht habe. Wir haben in Südafrika eine grosse Ungleichheit und massive soziale Probleme, aber wir haben auch verschiedene und unglaublich mitfühlende Menschen, die hier leben. Die grosse Erzählkultur, im Guten wie auch im Schlechten, macht es für einen Musiker zudem einfacher, seinen Instinkten zu folgen und eine unbearbeitet Version seiner Geschichte zu erzählen. Das ist sehr cool.

Zurzeit sind bei uns drei Singles erhältlich. Kommt das Album auch in der Schweiz auf den Markt?
Ein Release ist in der Schweiz definitiv geplant. Wir drängen auf das erste Quartal 2016. Sehr, sehr bald!

Bald kommst du auch nach Europa und speziell auch in die Schweiz auf Tour. Bist du nervös?
Nein, ich bin nicht im eigentlichen Sinn nervös. Ich weiss nicht, ob mich das einzigartig macht, oder, ob alle Musiker so fühlen: Ich denke jedoch wirklich, dass du nur so gut bist, wie deine letzte Show, und jedes Mal das Beste zu geben, öffnet dir Türen. Aus diesem Grund ist jede einzelne Show, dich ich spiele, für mich sehr wichtig. Es gibt daher sicherlich eine gewisse natürliche Anspannung. Aber ich sehe neue Sachen nicht als Dinge, von denen ich Angst haben muss, sondern ich will sie anpacken und bin aufgeregt darüber.

Ich habe gehört, dass Schweizer sehr zurückhaltend sind.

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Was erwartest du von deinem Konzert in Zürich am 10. Februar?
Von meinem Zürcher Konzert erwarte ich Lautstärke und sehr viel Energie! Jeder, der schon an einem meiner Konzerte war, weiss, dass wir es nicht mit einer gemächlichen Sache zu tun haben: Unsere Konzerte sind von Beginn weg bis zum Schluss mit hoher Energie gefüllt. Man erzählte mir, dass die Schweizer nicht ganz so sind. Die Menschen seien sehr aufmerksam und dankbar, aber auch sehr zurückhaltend. Ich glaube nicht, dass dies wahr ist, und bin zuversichtlich, dass unsere Show unglaublich laut werden wird.

Was hast du für Pläne und Träume für die Zukunft?
Ich habe zahlreiche Träume, die ich verwirklichen will. Letztlich denke ich über mich in drei verschiedenen Arten: als Künstler, Familienmensch und Umweltaktivist. So lange, wie ich Dinge mache, auf die ich stolz bin und die von meinem engsten Familienkreis getragen werden und solange ich stark daran arbeite, um die Natur und die Gesellschaft zu schützen und auszubilden, baut jedes Ziel auf dem nächsten auf, und meine Träume werden grösser und grösser.

Die Songs von Jeremy Loops sind hier auf iTunes erhältlich. Mehr über den Künstler gibt es unter jeremyloops.com

Jeremy Loops ist von Mitte Januar bis Ende Februar 2016 auf Europatour.
Konzerte spielt er unter anderem in Zürich, München, Stuttgart, Berlin und Köln.
Der genaue Tourplan und Tickets sind auf dieses Seite erhältlich.

 


ÜBER DEN AUTOR:
miwiGesungen habe ich immer gerne – leider nur auf Schulchor-Niveau. Heute beschränke ich mich daher lieber auf das Musikhören. Gut, gehörte zu meinem ersten Job beim Radio auch das Einsortieren der neuen CDs. Da gab es viele neue Musik zu entdecken. Auch heute gehe ich regelmässig auf Entdeckungstour – weltweit im Web. Meine Abenteuer teile ich hier auf miwi.ch gerne mit Euch. Mehr über mich gibt es unter michaelwieland.ch zu lesen.


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