Matteo Gisler: Von der Dusche der Sprung ins Studio

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matteo gisler

Ich habe immer heimlich im Zimmer gesungen – und unter der Dusche

Matteo Gisler ist ein 17-jähriger Singer-Songwriter aus Altdorf in der Schweiz. Mit «Going Nowhere» erscheint im Dezember die erste EP des Schweizers, der zurzeit im dritten Lehrjahr als Informatiker ist. Darauf sind sechs Songs des jungen Musikers. Im Interview mit miwi.ch erzählt Matteo über seine Anfänge im Songschreiben, seine ersten Auftritte und Erfolg.

miwi.ch: Matteo, wie hast du mit dem Musizieren angefangen?
Matteo: Ich hörte schon die ganze Zeit Musik, als ich noch sehr klein war und irgendwie war es schon früh klar, dass ich einmal Musikunterricht nehmen werde. Damals habe ich mit Xylophon spielen angefangen und  tatsächlich nicht wie üblich mit Blockflöte und mich nach diesen zwei Jahren dazu entschieden, E-Gitarre spielen zu lernen.

Du spielst Gitarre, weshalb?
Anfangs sah das noch etwas anders aus. Damals war mein Wunsch, Schlagzeug zu spielen. Da das in einem Mehrfamilienhaus jedoch etwas schwierig war, musste ich mich wohl oder übel für etwas anderes entscheiden und so fiel meine Wahl auf die Gitarre, was ich im Übrigen auch definitiv nie bereuen werde.

Hast du noch ein anderes Instrument gelernt?
Vor 3 oder 4 Jahren habe ich mir ein Keyboard gekauft und seither klimpere ich ab und zu darauf rum und benutze es auch manchmal beim Songwriting. Richtig Klavier spielen gelernt habe ich jedoch nicht, aber es macht trotzdem sehr viel Spass und irgendwann möchte ich auch ernsthaft das Spielen darauf erlernen.

Hast du in einem Chor gesungen oder so?
Nein, aber ich habe eigentlich schon immer gerne gesungen, nur für mich heimlich im Zimmer oder unter der Dusche. Es hat auch sehr lange gedauert, bis ich mich damit an die Öffentlichkeit getraut habe.

Bald erscheint deine erste EP «Going Nowhere» – bist du aufgeregt?
Ich bin schon sehr gespannt, wie die EP bei den Zuhörern ankommen wird. Bisher habe ich jedoch praktisch nur gute Rückmeldungen auf meine Songs erhalten. Aber wirklich aufgeregt werde ich wohl erst sein, wenn es dann soweit ist.

Um was geht es in den Songs?
In einigen Songs versuche ich, eine Geschichte zu erzählen. Diese Songs haben meistens nichts mit mir persönlich zu tun und die Geschichten entspringen meiner Fantasie. In anderen Songs mache ich mir wiederum Gedanken über Gott und die Welt und darin spiegelt sich dann auch meistens meine persönliche Meinung wieder. Ich würde behaupten, ein sehr glücklicher Mensch zu sein. Trotzdem geht es in meinen Songs oft auch um Dinge wie den Tod und diese klingen dann auch sehr melancholisch – wie ein Grossteil der Going Nowhere EP eigentlich. Oft fragen mich Leute deswegen, ob ich irgendwelche psychischen Probleme hätten, aber das kann ich verneinen.

Matteo Gisler

Die Ideen für Songs fallen mir in den ungünstigsten Momenten ein

Gibt es einen Lieblingssong auf deiner EP?
Den gibt es: «We Are All Gonna Die». In diesem Song geht es darum, nicht immer alles im Leben ernst zu nehmen und auch mal über sich oder Fehler, die man gemacht hat, lachen zu können. Denn eines Tages werden wir alle sterben: We Are All Gonna Die. Neben dem Inhalt finde ich auch den musikalischen Aspekt recht gelungen. Vielleicht favorisiere ich den aber auch nur, weil es der aktuellste Song auf der EP ist, den ich als letztes geschrieben habe.

Wie sind die Songs entstanden?
Diese Frage werde ich ziemlich oft gefragt und jedes Mal habe ich keine konkrete Antwort darauf. Meistens probiere ich Sachen auf der Gitarre oder auf dem Klavier aus und die Melodie für einen neuen Song kommt dann quasi von alleine. Meistens fallen mir Ideen für Songs in den ungünstigsten Momenten ein. Beim Einschlafen, in der Schule oder auf der Arbeit. Darum habe ich immer ein Notiz-Büchlein dabei, um neue Ideen und Zeilen niederzuschreiben.

Weshalb hast du mit dem Songschreiben angefangen?
Das ist schon lange her, am Songwriting habe ich mich schon ausprobiert, bevor ich überhaupt Gitarre gespielt habe. Natürlich waren die Texte damals richtig schlecht, aber ich hatte anscheinend schon immer den Drang, meine Gedanken in Form eines Textes irgendwo aufzuschreiben. Momentan nutze ich das Songschreiben, um all den Gedanken-Ballast abzuwerfen, der sich tagtäglich anstaut. Neben Bloggen empfinde ich Songwriting als die beste Möglichkeit, das zu tun.

Wie lange geht es, bist du einen Song geschrieben hast?
Das ist bei jedem Song unterschiedlich. Es gibt Tage, an denen sich der Text wie von alleine schreibt und es meistens nicht einmal eine Stunde dauert, bis der Song in seiner Grundidee fertig ist. Jedoch gibt es auch andere Tage, an denen ich nur eine Strophe aufs Blatt bekomme und den Text dann wieder beiseitelege. Meistens schreibe ich dann am Tag oder in der Woche danach weiter, so kann sich das Schreiben eines Songs auch über mehrere Wochen hinauszögern.

Gibt es Personen, bei denen du neue Songs als erstes testest?
Ich nehme neue Songs und Song-Ideen meistens nur schnell mit dem Smartphone auf und schicke diese dann einem sehr guten Freund aus Deutschland oder meiner Freundin. Somit bekomme ich schon das erste Feedback und weiss dann, was ich noch verbessern könnte und was eigentlich schon passt.

Wie war die Arbeit im Studio?
Die Aufnahmen der EP habe ich im Home-Studio von Sam Brunner gemacht. Er ist selbst Musiker und lädt Covers auf YouTube hoch. Die Arbeit mit ihm hat extrem viel Spass gemacht und das Ganze war sehr interessant, auch wenn es ein sehr intensiver Tag war und meine Stimme am Ende ziemlich am Anschlag war. Das hört man bei dem letzten Song auf der EP auch ein Wenig.

Es ist nicht mein Ziel, mit Musik steinreich zu werden

Hast du Vorbilder?
Als musikalisches Vorbild sehe ich den englischen Folk- und Blues-Musiker Fink an erster Stelle. Ich mag die Art von Musik, die er produziert. Eigentlich möchte ich sehr gerne eines Tages ähnliche Musik machen, jedoch ist mir das bei der Going Nowhere EP noch nicht gelungen. Ich höre natürlich selbst täglich Musik, wann immer es geht. Die Musik, die ich höre, reicht von Folk über Punk und Alternative bis hin zu Hip-Hop und Rap. Ich bin da sehr offen und entdecke auch immer wieder gerne neue Musik.

Wie würdest du deinen Musikstil beschreiben?
Ich kann das selbst nur schwer einordnen. Wahrscheinlich ist es etwas zwischen Folk, Pop und Singer-Songwriter.

Du hattest auch schon Auftritte. Was war dein bisher schönstes Erlebnis?
Als bisher schönsten Auftritt würde ich die Teilnahme am OpenMic in der Mahogany Hall in Bern bezeichnen. Einerseits, weil das Lokal sehr gemütlich ist und es total entspannend war, dort zu spielen. Andererseits aber auch, weil recht viele Leute dort waren, die zugehört haben – es waren an die 80 Personen.

Wie ist es auf der Bühne zu stehen?
Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn einem die Leute zuhören und sich vielleicht sogar berührt oder angesprochen fühlen von der Musik. Das macht mir sehr viel Spass und motiviert mich jedes Mal, mit der Musik weiterzumachen.

Du hast auch beim Bandwettbewerb am MOOVEURI mitgemacht…
Auf einer so grossen Bühne zu stehen ist eine tolle Erfahrung, auch wenn ich mir ein Wenig einsam vorkam. Leider waren recht wenige Leute da, als ich meinen Auftritt hatte, was von der frühen Uhrzeit abhing. Allgemein denke ich, dass meine Musik eher in kleinen Lokale oder Bars wie die Mahogany Hall passt und nicht unbedingt Menschen auf einem grossen Festival begeistern kann.

Welches Feedback hast du auf deine Auftritte?
Soweit ich mich erinnern kann, habe ich nur positives Feedback für meine Auftritte erhalten. Das macht einem natürlich Mut und motiviert sehr. Wenn ich Negatives hören, dann nur online unter irgendwelchen YouTube-Videos, wo sich jeder anonym über alles und jeden auslassen kann; und das auch nicht immer sehr konstruktiv.

Wo siehst du deine Zukunft?
Ich persönlich denke nicht, dass ich irgendwann mal das grosse Geld mit Musik machen werde und weltberühmt werde. Das ist aber auch nicht mein Ziel. Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft Spass am Musik machen haben werde und ab und zu einen kleinen Gig in einer Bar oder in kleinen Lokalen spielen darf. Mein Ziel ist es, Menschen mit meiner Musik erreichen zu können und dass ich so etwas für die Nachwelt erschaffen kann. Wie erwähnt ist es nicht mein Ziel, dass die ganze Welt mich kennt und ich mit der Musik steinreich werde. Hauptsache es gibt Menschen, die meine Musik mögen. Ob das 10 oder 10‘000 sind, ist mir egal.

Was steht nach der Veröffentlichung der EP als nächstes an?
Ich hoffe, dass ich einige Auftritte haben werde in naher Zukunft. Das fände ich auf jeden Fall sehr schön. Weiter werde ich wohl bald mein eigenes Home-Studio zusammenbauen, das ist schon lange ein Traum von mir. Und wer weiss, vielleicht kommt dann ja schon 2016 eine neue EP oder vielleicht sogar ein komplettes Album.

Bilder: zvg/Manuel Lopez/LIVEIT.CH

Die EP von Matteo Gisler erscheint am 11. Dezember. Die Vorabsingle Cold Hearted ist hier auf iTunes erhältlich. Mehr über den Musiker gibt es unter matteogisler.com.