Rival Kings über Krieg, die Generation Y und Zweifel

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Es ist ein wahnsinnig tolles Album, davon sind wir überzeugt!

Am 8. Oktober taufen die Jungs von Rival Kings ihr neues Album «War». Dieses erscheint am 30. September (hier auf iTunes). Im Email-Interview mit miwi.ch reden Dom und James über das neuste Werk und ihre bevorstehende Plattentaufe in Luzern. Zudem verlost miwi.ch Tickets für das Konzert.

miwi.ch: Am 30. September kommt euer neues Album, wie fühlt sich dies an?
Dom: Erleichternd. Es war ein langer Weg und eine schwierige Platte. Schwierig vor allem wegen unseren eigenen Ansprüchen, uns weiter zu entwickeln und auf ein neues Niveau zu heben. Aber auch, weil wir uns als Band stark verändert haben. Mit James haben wir einen wahnsinnig guten, versierten Musiker in die Band aufgenommen, welcher ein enormes Plus für den Sound war und vieles darin positiv verändert hat.

James: Und natürlich können wir es kaum erwarten, den Leuten endlich die neuen Songs auf Platte zu präsentieren. Immerhin ist «WAR» schon seit einem Jahr quasi im Kasten. So lange zu warten ist nicht nur gut, man macht sich irgendwann einen Kopf über Dinge, welche nichtig sind oder hinterfragt zu viel. Je näher der Release kommt, desto grösser aber wird unsere Vorfreude und wir können es kaum erwarten, diese Platte mit den Leuten zu teilen. Es ist ein wahnsinnig tolles Album, davon sind wir überzeugt!

Das Album heisst «WAR». Weshalb dieser Name?
Dom:
Es geht um innere Kriege. Unsere täglichen Kämpfe mit inneren Dämonen, Problemen, Perspektiven, Krankheiten oder psychischen Problemen. Wir leben in einer unglaublich schwierigen Zeit und es war wohl noch nie so kompliziert und anstrengend, ein junger Erwachsener in seinen Zwanzigern zu sein wie heute. War ist das Spiegelbild dieser Kämpfe und dem Ringen mit der aktuell schnelllebigen Zeit. Unsere Suche nach Liebe, nach Ruhe, nach einem Leben, welches uns Spass macht. All das ist «WAR».

Wir sind die erste Generation ohne klare Identität, ohne eine Bewegung.

Wie viele Songs sind darauf zu finden und um was geht es in den Songs?
Dom:
Ein Blick ins Internet würde diese Frage ja teils beantworten ;)

Okay, es sind zehn Tracks und diese dauern 37 Minuten …
James: Und wie schon gesagt: die oben erwähnten Probleme und Spannungsfelder sind fixer Teil dieser Songs. Aber wir überlassen gerne auch den Fans die Deutung. Ein Song verliert die ursprünglich geplante Message, sobald er veröffentlicht wird. Denn dann gehört er irgendwie auch den Fans, und die projizieren eigene Gefühle und Bedeutungen in diese Songs.

Ihr sagt eben auch, es gehe auch um die die innere Zerrissenheit einer Generation voller Zweifel und krampfhafter Individualität. Auf was genau spielt ihr damit an?
James:
Auf all die Twenty-Somethings dieser sogenannten «Generation Y». Wir wissen ob all der offenen Möglichkeiten gar nicht mehr, was wir eigentlich wirklich wollen. Wir sind völlig unfähig, uns zu entscheiden und wollen lieber gleich alles miteinander. Beziehungen sind heute doch meist mal «auf Test» oder unverbindlich – und das über Monate hinweg. Es herrscht eine konstante Angst, etwas zu verpassen. Und genau diese Generation, welche so viele Möglichkeiten hat, verpasst es oft, diese auch zu nutzen. Weil man alles will – aber nichts davon richtig macht. Und so sind wir unzufrieden mit unseren Jobs, unserem Liebesleben, der Welt an sich.

Dom: Auch weil uns unsere Eltern stets eingetrichtert haben, wir wären etwas Besonderes und Besseres und hätten alle Möglichkeiten, welche sie nie hatten. Und dieses Bewusstsein fürt dazu, dass wir zwingend nach Individualität suchen, aber genau das Gegenteil erreichen, nämlich Starbucks trinkende Konsumopfer und Smartphone-Junkies sind, an denen das Leben völlig vorbei zieht und die enttäuscht darüber sind, dass sie doch nur einen «normalen» Job haben, obwohl wir doch so viel besser sind. Wir sind auch die erste Generation ohne klare Identität, ohne eine Bewegung. Und nur schon das zeigt sich in der Musik: die einzige musikalische Bewegung der 00er ist der EDM: eine Musikrichtung, welche oberflächlich auf «Feel Good und Party» zielt – und selbst keine Botschaft vermittelt. Es ist ein Lebensgefühl ohne Inhalt, was in all den anderen Jahrzehnten zuvor nicht der Fall war. Wenn wir in 20 Jahren zurück schauen auf die 00er Jahre, dann werden diese rein kulturell extrem belanglos sein – und für uns emotional auch komplett bezugslos.

Wie entstehen eure Songs?
Dom:
Wir haben eine Idee. Arbeiten sie aus. Und nehmen sie auf.

Hattet ihr selber auch Zweifel bei der Produktion des Albums?
James:
Zweifel hat man immer. Wir sind keine Band, welche vor der Produktion mit 50 Songs ins Studio geht und dann die 10 besten auswählt. Unsere Selektion beginnt schon viel früher. Wir merken schon in den ersten Songskizzen, ob ein Song funktioniert oder nicht. Funktioniert er nicht, legen wir ihn weg oder verwenden Ideen daraus in anderen Songs. Wir haben auf diese Platte «hin geschrieben» und der letzte Song der Platte (Envy The Dead) entstand, als das Album bereits im Mixing-Prozess war. Heute ist gerade dieser Song eines der absoluten Highlights der Platte!

Zweifel entstanden bei uns eher in den letzten Monaten. Man hat keine Distanz mehr zur Musik, die Songs hat man schon hunderte Male gehört. Die Ohren sind nicht mehr frisch und man beginnt an der Qualität der Songs zu zweifeln, die man während der Produktion noch so grossartig fand. Aber das ist die natürliche Abnutzungserscheinung, welche man als Musiker erlebt, wenn man sich zu sehr mit dem eigenen Werk auseinander setzt. Je mehr wir uns im Vorfeld der Veröffentlichung aber von den Album-Songs distanzieren konnten und diese nur noch live spielten, desto mehr sind wir auch wieder von deren Qualität überzeugt. Und gerade wenn wir sehen, wie die Fans die neuen Songs begeistert aufnehmen, dann merken wir, dass wir doch etwas richtig gemacht haben. =)

Was hat sich seit dem Debüt «Citizens» von 2014 verändert?
Dom:
Neben personellen Veränderungen (Bassist Sandro und Keyboarder/Synth James waren auf Citizens noch nicht dabei) hat sich musikalisch viel getan. Citizens war ein sehr tolles, stimmiges Album. Aber es war ein typisches Indie-Rock-Album. Davon wollten wir weg. Die Songs sind grösser gedacht, sind anders produziert und geschrieben. Wir haben mehr Pop in unserer Musik zu gelassen und uns vom Rock entfernt. Natürlich sind wir als Band auch reifer geworden. Wir haben seit Citizens jährlich zig Konzerte gespielt, unter anderem auf den grossen Schweizer Festivalbühnen. Das verändert die eigene Wahrnehmung der Band und die Erwartungen an die eigene Musik. Wir sind heute einiges abgeklärter und haben einen klareren Plan als noch auf Citizens, welches ein Album war, dass uns mehr so passiert ist. Bei Citizens hatten wir schlicht drauflos musiziert. «WAR» ist da ein ganz anderes Kaliber.

Der Titelsong «War» ist bei zahlreichen Schweizer Radiostationen, aber etwa auf Bayern 3 in Deutschland zu hören. Was bedeutet euch dies?
James:
Du meinst, abgesehen von der tollen SUISA-Abrechnung? :) Nein, im Ernst. Es ist grossartig, wenn die eigenen Songs im Radio laufen. Jedes Mal, wenn eine neue Single zum ersten Mal zufällig im Radio läuft, durchströmt dich ein freudiges Gefühl und auch eine gewisse Genugtuung. Und die Radios waren in diesem Jahr bisher sehr gut zu uns, insbesondere was die erste Single DROWN angeht, welche auch auf Spotify über 40’000 Plays hat. So etwas hätten wir nie erwartet. Letzten Endes ist das Radio für uns aber vor allem eines: der direkte Weg zu neuen Fans. Wir schreiben Songs nicht, damit sie ins Radio kommen, aber natürlich wählen wir Singles gezielt danach aus.

Am 8. Oktober tauft ihr die Platte in der Schüür in Luzern. Was dürfen die Anwesenden erwarten?
Dom:
Wir wollen nicht zu viel verraten. Wer uns schon live gesehen hat, der weiss um unsere schweisstreibende Energie und auch um unser Ziel, live einen möglichst perfekten Sound zu kreieren. Wir wollen aber vor allem ein grosses Fest feiern, zusammen mit all unseren Freunden und Fans.

James: Wir haben auch noch einige Überraschungen im Ärmel, die wir an dieser Stelle aber nicht verraten. Wir freuen uns aber riesig, endlich wieder in Luzern zu spielen und dort ein rauschendes Rock’n’Roll-Fest zu feiern.

Das Album ist hier auf iTunes erhältlich. Mehr über die Band gibt es unter rivalkings.net.

Rival Kings taufen ihr Album am 8. Oktober in der Schüür Luzern. Tickets gibt es unter schuur.ch.

In Zusammenarbeit mit dem Konzerthaus Schüür verlost miwi.ch 2×2 Tickets für die Plattentaufe von Rival Kings: Schreibe bis zum 26. Oktober 2016 eine Email mit dem Betreff „WAR“ und deinem Vor- und Nachnamen an music@miwi.ch, um an der Verlosung teilzunehmen.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt.