The Informal Thief über Natur, und verkorkste Menschen

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Meine Lieder sind ein Ventil für Probleme.

«The Informal Thief» hat miwi.ch vor einigen Wochen vorgestellt. Hinter diesem Pseudonym steht Lukas Klestil. Der Tiroler, der in Wien lebt, hat in diesem Jahr sein erstes Album veröffentlicht. Angefangen von klassichem Folk, über Country/Bluegrass bishin zu eher modernen FolkRock ist das Repertoire nicht gerade schnell ausgeschöpft. Im Email-Interview erzählt er mehr über seine Musik, die Ziele und verrät auch, wann es die nächsten Konzerte gibt.  (Bilder: Peter Walde/Afternoon Delight)

miwi.ch: Lukas,«Seasons» heisst dein neuster Song – um was geht es darin?
Lukas Klestil: In dem Song geht es um eigentlich um nicht mehr als eine Konversation zweier eng verbunden Menschen, die sich lange unwissend warum «streiten». Es beschreibt nicht nur den Konflikt des Erzählers selbst sondern auch dessen Ausmaß auf die andere Person. Es war daher essentiell eine zweite Stimme zu haben, die das untermalt. «Seasons» steht daher für den stetigen Wechsel, der rein logisch sich auf Jahreszeiten sowie auch auf die Stimmung die die jeweiligen mitbringen beziehen. Als Synonym für die psychischen Wechsel bekommt der Begriff daher eine Wertung, die psychologisch auf diesen Konflikt zu beziehen ist.

Wie entstehen deine Songs?
Es gibt dunkle Nächte, in denen es passiert. Sowie auch schöne Tage, die zwar seltener aber trotzdem gibt es auch diese. Dieser Song ist entstanden in der Unbeschwertheit des Sommers, aber eigentlich nur im Schatten der umso dunkleren Nächte. Diese Lieder basieren meist auf eine unterbewussten Auseinandersetzung mit sich selbst, als Musiker und Person sowohl als auch als Ventil für Probleme, die jeder hat. Tendenziell hat man die als Musiker, vor Allem wenn man Musik macht wie ich, viel stärker. Aber das passiert auch einfach, dass da eine Musik rauskommt die von Melancholie getränkt ist.

Was ist dir beim Songschreiben wichtig?
Wichtig ist immer ein zyklisches Zusammenkommen. Was im Text und der Musik angefangen wird, darf meiner Meinung nach nicht offen bleiben, wenn dann muss das gezielt eingesetzt werden meiner Meinung nach.

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Da keiner in meiner Familie wirklich musikalisch ist, wundert es mich eh, dass ich das kann.

Wie kommt ein Tiroler zum Folk?
Naja ich finde es nicht allzu abwegig, da Folk oft eng mit Natur in Verbindung steht, und dass wenn man so wie ich im Wald aufwächst, folglich sehr prägend sein kann. Noch dazu habe ich viel Verwandtschaft Richtung Norden, wo diese Musik wohl mehr Anklang findet als hier.

Was fasziniert dich an dieser Art von Musik?
Das weiss ich nicht, ich weis jedoch, dass mich andere Musikrichtungen weniger faszinieren.

Gibt es musikalische Vorbilder?
Viele ja. The Tallest Man On Earth ist wahrscheinlich offensichtlich, aber auch alte Sachen, wie Paul Simon find ich gut. Es gibt viel, kann aber nicht alle bei Namen nennen.

Wie hast du mit dem Musizieren begonnen?
Ich hatte mal Schlagzeug gespielt, mit 14. aber nicht lange. Mit 5 Jahren mal ans Klavier gesetzt, mit wenig Erfolg, also auch nicht länger als 1 Jahr. Dann mit 18 habe ich aus irgendeiner Laune heraus die alte Gitarre eines Vaters aus dem Keller gegraben und rumprobiert. Da keiner in meiner Familie wirklich musikalisch ist, wundert es mich eh, dass ich das kann, was ich kann bisher. Ich spiel auch jetzt wieder Klavier und Banjo, ein wenig Pedal Steel, aber das ist nicht der Rede wert, wie ich finde. Aber gut, mal sehen, was noch kommt. Klavier wird immer wichtiger meiner Meinung nach.

Du nennst dich «The Informal Thief», weshalb dieser Name?
Der kam sehr spontan. Ich dachte mir anfangs wo ich noch viele Cover gespielt habe, dass es passend sei, aber es nach wie vor passend, da ich der Meinung bin, dass wir alle als Musiker etwas stehlen, sei es gewollt oder nicht, sei es bewusst oder unbewusst, irgendwo machen das alle. Ich steh dem ganzen eigentlich nur offener gegenüber glaub ich.

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Wir gehen mit der EP auf Tour Ende März.

In diesem Jahr erschien auch dein Debütalbum – was hat sich seither für dich verändert?
Meine Auffassung meiner eigenen Musik. Ich hab viel gelernt aus «Fehlern», also musikalischen Fehlern, meine ich damit. Es war nie einfach sich bewusst zu machen, was man alles in so einer kurzen Zeit ändern kann. Wie sehr man sich auch selbst weiterentwickelt. Meine Auffassung von einer guten Nummer zum Beispiel ist eine ganz andere. Ich hab kein Problem mehr damit mehr reinzupacken, ich dachte immer weniger ist mehr, obwohl das in dem Fall gar nicht sein muss. Ich glaube fest daran, dass das eine gute Entwicklung ist, und alle Veränderungen die man ganz bewusst vornimmt, ihre Richtigkeit bekommen.

Du stehst auch immer wieder auf der Bühne, was bedeutet dir dies?
Ich hatte das Glück viele Konzerte zu spielen, durch die Flexibilität auch Solo zu spielen bzw. auch mit Band, habe ich viele verschiedene Settings spielen können, die alle sehr unterschiedlich sein können. Ich hab das Gefühl auf der Bühne gerne, fühle mich als Zuhörer in Massen sehr unwohl, aber auf der Bühne umso wohler. Ich finde auch, dass meine Musik live ganz anders ist. Ich probiere oft ein Konzert sehr intim zu machen, die Leute durch sekundenlange Blicken reinzuholen und ihnen durch den Auftritt meine Gefühle mitzuteilen, sie miteinzubezeihen, auch wenn manche das nicht wollen oder dann auf den Boden schauen, weil es Ihnen peinlich ist. Was weiss ich, man kann auf einer Bühne viel bewusster Stilmittel einsetzen, sich einfach verkaufen, so wie man das an dem Tag will. Das ist ein Vorteil, will ich meinen.

Welches Ziel möchtest Du mit der Musik erreichen?
Ach, was zu erreichen ist, ist die Frage. In Österreich und der Schweiz, hat diese Art von Musik keine grosse Zukunft, ich glaube die Leute im Norden schätzen so etwas eher. Wir sind alle zu verkorkst so etwas für gut zu befinden.

Was steht als nächstes an?
Es steht eine EP an die auch im Sommer produziert wurde, und dann im März released wird. Wir gehen mit der EP auf Tour Ende März, und kommen da durch Deutschland, Italien, Schweiz und natürlich auch Österreich zum spielen. Was steht, ist schonmal für alle Schweizer der 29. März in Zürich. Genauere Details folgen bald.

Die Single ist hier auf iTunes erhältlich. Mehr über den Musiker gibt es unter theinformalthief.net.