Christian Hudson über ideale Beziehungen, Songschreiben und Übernachten auf der Strasse

Erfolg ist der positive Einfluss, den du auf dein Umfeld hast.

Den jungen Musiker Christian Hudson hat miwi.ch vor Kurzem vorgestellt. Der 19-Jährige veröffentlichte Anfang Jahr den Clip zu seiner ersten Single «Four Leaf Clover». Im Email-Interview erzählt der Gewinner der Calgary Stampede Talent Search 2015 nun über seine ersten Schritte an der Gitarre, Komponieren unter der Dusche und seine Pläne für die musikalische Zukunft.

miwi.ch: Christian, erzähle uns zuerst ein bisschen mehr über dich!
Christian: Ich bin in der kleinen Stadt Airdrie in der Nähe von Calgary aufgewachsen. Ich höre gerne Musik von John Mayer, The 1975 und James Blunt.

Du hast als 14-Jähriger mit dem Gitarrenspielen begonnen. Weshalb hast du bei deinen Eltern um dieses Instrument gebettelt seit du 12 warst?
Ich hatte einige Freunde in der Mittelschule, die unglaubliche Gitarrenspieler waren und die mir gelegentlich Unterricht gaben. Meine Eltern wollten aber ein paar Jahre warten, bis ich meine eigene Gitarre bekam. Dies schätze ich rückblickend sehr. Ich denke, es half mir, das Instrument noch mehr zu lieben; vor allem am Anfang.

Wie schreibst du deine Songs?
Das ist bei jedem Song ein anderer Prozess. Da gibt es kein Rezept dafür. Manchmal summe ich einfach in der Dusche vor mich hin und werde von der Melodie weggetragen.

2015 hast du die Calgary Stampede Talent Search gewonnen. Weshalb hattest du bei diesem Wettbewerb mitgemacht?
Es gab eine Reihe von Menschen aus meiner Stadt, die regelmässig mitgemacht und dadurch viele tolle Sachen erlebt haben. Der Wettbewerb hat einen sehr guten Ruf, um Artisten bei ihrer Entwicklung zu helfen, so war für mich wie ein Schritt nach vorne.

Ich habe gelesen, dass du das gesamte Preisgeld von 10’000 Dollar einem Obdachlosen-Zentrum in Calgary gespendet hast. Wie ist es dazu gekommen?
Um beim Wettbewerb mitzumachen, hatte ich meinen Tagesjob gekündigt (keine intelligente Entscheidung, das bin ich mir bewusst). Ich musste daher etwas sparsam sein. So konnte ich es mir nicht leisten, jeweils in meine Heimatstadt zu pendeln und blieb während dem Wettbewerb in Calgary. Eine Nacht – es war das Ergebnis einer schlechten Planung und wahrscheinlich einer fehlgeleiteten Abenteuerlust – habe ich die Nacht auf der Strasse verbracht. Da habe ich ein paar Obdachlose getroffen, die meine Ansichten zum Thema Armut stark verändert haben. Als ich dann zum Sieger gekürt wurde, traf mich das völlig unerwartet und so kam es zu dieser spontanen Entscheidung aufgrund der Erinnerungen, die ich an diese Nacht hatte.

«Four Leaf Clover» hiess zunächst «The Bus Song».

Bist du immer so selbstlos und generös? Ist das etwas, dass du als das Älteste von vier Kindern zuhause gelernt hast?
Ich muss meinen Eltern für eine wirklich gute Erziehung danken. Doch die Motivation für viele meiner Entscheidungen kommen von einem Zitat. Es ist kein kurzes Zitat, aber um es zusammenfassend zu sagen, bedeutet es, dass Erfolg der positive Einfluss ist, den du auf dein Umfeld hast. Das habe ich mir verinnerlicht.

Wie hat dein Sieg deine Musikkarriere verändert?
Der Sieg hat mir die Möglichkeit gegeben, viele Leute kennenzulernen, die ich sonst nie getroffen hätte. Ich muss mich bei dieses Personen für jeglichen Erfolg bedanken, den ich seit dann hatte.

Konzentrierst du dich derzeit «nur» auf die Musik, oder arbeitest oder studierst du?
Ich habe das Glück gehabt, die vergangenen anderthalb Jahren mit Musik weiterzumachen.

Vor Kurzem erschien dein Song «Four Leaf Clover». Erzähl uns mehr über dessen Geschichte.
Der Song beschreibt den Höhepunkt einer idealen Beziehung, also dieser Moment, in dem du auf jemanden so verrückt bist, wie du es nur sein kannst. Ironischerweise habe ich den Song kurz nach einer Beziehung geschrieben, die ziemlich weit weg vom Ideal war, aber das liess mich fantasieren, wie es sich anfühlt, wenn es besser funktioniert. Für eine Zeit habe ich den Song «The Bus Song» genannt, weil ich ihn auf einer GreyHound-Busfahrt nach Vancouver geschrieben habe.

Weshalb habt ihr das Video in Irland gedreht?
Mein Team und ich fanden, dass sich der Song und das Land gegenseitig ergänzen. Beide haben ein zartes, minimalistisches Gefühl. Der Songname hat natürlich auch geholfen (Anm. d. Red: «Four Leaf Clover» heisst «Vierblättriges Kleeblatt», ein dreiblättriges Kleeblatt ist das inoffizielle Nationalsymbol Irlands).

Veröffentlichst du in diesem Jahr weitere Songs?
Ja. Darauf kannst du zählen.

Was sind deine Ziele für die Zukunft?
Ich will auf jeden Fall ein paar Singles und eine EP veröffentlichen. Ausserdem kann ich es kaum erwartet, etwas mehr zu Reisen. Längerfristig möchte ich mich mit einer starken Präsenz in der Musik etablieren und auch kommende Generationen von Musikern fördern.

Der Song ist hier auf iTunes erhältlich. Mehr über den Musiker gibt es unter christianhudsonmusic.com.