Juri von Gorki Gagarin über Bombenexplosionen, Beatles und Songschreiben

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Wir produzieren keine «bedeutungsschwangeren» Texte.

Gorki Gagarin ist eine junge Band aus Basel. miwi.ch hat ihre erste Single «One Second» vor Kurzem vorgestellt. Nun erscheint am 19. Mai das Debütalbum «Of Course». Die Band, die aus einem Schülerprojekt von Juri «Gagarin» Schmidhauser und Maxim «Gorki» Staehelin entstanden ist, bringt darauf 12 Songs. Sänger und Gitarrenspieler Juri stand miwi.ch dazu Red und Antwort. 

miwi.ch: Juri, wie schauen du und die Band dem Albumrelease von «Of Course» am 19. Mai entgegen?
Juri: Es ist sicherlich eine Art Mitfiebern. Dennoch ist es gut, dass dies bald ein Ende hat. Wir freuen uns enorm, dass das Album auf den Markt kommt. Es ist jedoch auch gleichzeitig der Abschluss einer ziemlich langen Arbeit, in die wir uns reingestürzt haben. Das hat Riesenspass gemacht. Aber – abgesehen von Werbung – ist die Arbeit für uns bereits abgeschlossen und wir können nicht mehr viel ändern. Die Songs sind aufgenommen und die Alben in der Presse.

Wie viel Arbeit steckt in eurem Debüt?
Es ist die Essenz aus den vergangenen drei Jahren, in denen wir zusammen Musik machen. Es ist aber auch die Essenz der Zusammenarbeit mit unserem Produzenten Luc Montini im dritten Jahr. Dabei haben wir das ganze Rohmaterial nochmals ziemlich stark überarbeitet.

Schreibt ihr die Songs alle zusammen?
Dass wir alle zusammen einen Song schreiben, kam bisher nicht vor. Es wäre sicherlich cool, wenn das funktionieren würde. Bislang war es jedoch meistens so, dass ich das Gerüst eines Songs liefere, also die Melodie und die Harmonien. Die Texte werden dann von mir, Schlagzeuger Maxim oder Bassist Alon geschrieben. Das fügt sich dann irgendwie zusammen – was manchmal schneller geht und manchmal etwas länger dauert.

Bekannt ist die Single «One Second». Es geht um den Moment nach einer Explosion. Wie kommt man auf ein solches Thema?
Wie genau ich auf darauf gekommen bin, weiss ich nicht mehr. Für mich hat dieser Moment jedoch eine Faszination. Eine Explosion ist, wenn man von einer Bombenexplosion ausgeht, etwas sehr Schreckliches und Tragisches. Aber der Moment gleich danach ist doch irgendwie speziell, weil dann eine absolute Leere herrscht. Dieser Kontrast ist für mich faszinierend. Ich bin aber kein Bombenfanatiker oder so, und will das sicher nicht nicht verherrlichen. Es ist sarkastisch und wahrscheinlich gerade in dieser Zeit noch etwas sarkastischer.

Wir fanden es schade, nach dem Schülerprojekt wieder aufzuhören.

Um was geht es in den weiteren Songs des Albums?
Das sind ganz unterschiedliche Themen. Da geht es wie bei anderen Bands um Liebe und Gefühle für jemand anderes. Ein Song handelt vom Winter, in dem man voll abgeschottet ist, dieses Zurückziehen aber auch angenehm sein kann. Die Aussage des Songs ist, dass es nicht Frühling werden soll, weil es in dieser Zurückgezogenheit so angenehm ist. Ein weiterer Song handelt von einem kleinen Jungen, der wie ein Vogel sein will.

Ist es ein Ziel, mit eurer Musik auch Botschaften zu vermitteln?
Nein. Die Texte haben natürlich einen Inhalt und eine Aussage. Aber wir sind nicht eine Band, die «bedeutungsschwangere» Texte produziert, die sich an jemanden richten. Die Texte laufen mit, aber die Musik steht für uns im Vordergrund.

Gorki Gagarin ist aus einem Schülerprojekt entstanden. Wann wurde es mehr als das?
Das war, als wir die Maturarbeit aufgenommen haben. Maxim und ich hatten dies ja zusammen aufgezogen und dann im Studio weitere Personen benötigt, um Bass und Trompete aufzunehmen. Dabei war zum ersten Mal eine Band zusammen und wir hatten uns Gedanken gemacht, was daraus werden könnte. Weil wir es schade fanden, gleich wieder aufzuhören, haben wir weitergemacht.

Wie lange habt ihr gehabt, um den Namen für die Band zu finden?
Das dauerte schon eine ganze Weile. Es kommt auch öfters vor, dass Personen drei, viermal nachfragen, wie wir genau heissen. Es ist uns bewusst, dass es nicht der einfachste Bandname ist, aber er hat schon noch einen coolen Klang. Zudem hat er aufgrund unserer Vornamen ja auch mit uns zu tun.

Was bedeutet dir Musik?
Ich habe schon immer Musik gemacht, lange jedoch einfach für mich und ohne ein Ziel. Musik ist sicherlich ein Teil von mir, aber es ist kein Ventil, wie für andere Musiker. Es ist also keine Therapie, sondern etwas Kreatives, was ich sehr gerne mache. Zudem ist es toll, zusammen mit meinem Bruder und Freunden Musik zu machen.

«Spielt ihr so Veganer-Zeugs?»

Ihr bezeichnet eure Musik als «Tofu-Pop». Was muss ich mir darunter vorstellen?
Dieser Name ist bei einem Soundcheck auf einem kleinen Festival entstanden. Der Tontechniker hat uns gefragt, was wir für Musik spielen und wir konnten es nicht wirklich benennen. Also fragte er uns, ob wir «so Veganer-Zeugs» machen würden und wir haben geantwortet: Ja, genau, wir machen «Tofu-Pop». In der Folge haben wir gedacht, das töne irgendwie noch ganz cool, da derzeit Bio und Vegan ja ziemlich angesagt sind. Man kann sich jedoch wirklich nicht all zu viel darunter vorstellen. Vielleicht müssen wir uns wirklich einmal überlegen, was wir genau Spielen. Wahrscheinlich wäre die richtige Bezeichnung so etwas wie «Alternative Pop» oder «Easy Listening».

Eure Musik tönt in meinen Ohren vertraut, aber – wahrscheinlich durch die Trompete – dennoch exotisch. Wie habt ihr euren Musikstil kreiert?
Bis ich zwölf Jahre alt war, habe ich fast ausschliesslich Beatles gehört. Ich konnte alle Lieder auswendig und habe nur diese gespielt. Daher nehme ich an, dass in diesem Musikstil sehr viel Beatles steckt. Natürlich kann man nicht mehr Musik wie die Beatles machen, aber ich habe das Gefühl, sie bestimmen unser Stil schon ziemlich.

Auf Englisch zu Singen, schafft auch eine Distanz zu mir selber.

Wenn man es mit «The End», die Single eures Maturprojekts vor drei Jahren, vergleicht, wurde die Musik trauriger, melancholischer. Wieso dieser Wandel?
Musikalisch und vom Klang her hat sich sicherlich sehr viel durch Produzent Luc Montini geändert. Es hat mit uns auch Grundlegendes zum Songwriting und im Arrangement angeschaut. Dies hat viel dazu beigetragen, wie es jetzt tönt. Inhaltlich hat sich meiner Meinung nach nicht viel geändert. Viele der Songs auf dem Album sind auch ähnlich alt wie das Maturprojekt.

Warum habt ihr euch für Englisch entschieden?
Einerseits sicherlich, weil ich es gewohnt war, englische Musik zu hören. Ich höre auch fast nie Musik auf Deutsch. Auf Englisch zu Singen schafft auch eine Distanz zu mir selber und ich finde es einfacher, einen Reim zu finden. Es gibt auch sehr gute Songtexte auf Deutsch, aber da habe ich zu wenig Vertrauen in meine Sprache. Solange es mir nicht gelingt, einen Text auf Deutsch zu schreiben, mit dem ich zufrieden bin, lasse ich es lieber, denn die Zuhörer würden viel mehr auf einen deutschen Text hören.

Daneben fällt auch das Visuelle auf. Sei es beim Albumcover, den Promofotos und dem Clip.
Wie etwas aussieht ist uns sehr wichtig. Da ist es nebensächlich, ob wir uns selbst sind oder in eine Rolle schlüpfen. Das ist sicherlich ein Teil von uns und etwas, auf das wir Wert legen. Maxim studiert auch visuelle Kommunikation.

Das Ziel ist dranzubleiben und weiterzumachen.

Was erhofft ihr euch vom Debütalbum?
Dass es möglichst viele Personen anhören. Das ist wohl das Wichtigste für Musiker.

Was habt Ihr für ein Ziel mit der Musik?
Das primäre Ziel ist, dranzubleiben und weiter zu machen. Aber Ziele, wie berühmt zu werden oder einmal an einem grossen Openair zu spielen, stehen nicht an erster Stelle. Dennoch spielen wir natürlich auch gerne Konzerte.

Nebst Konzerten gibt es aber noch viel Arbeit mit dem Album-Release. Ihr habt versprochen, alle in Basel-Stadt bestellten Exemplare persönlich auszuliefern.
Genau. Wir haben uns den ganzen Tag dafür reserviert und hoffen, dass die Tour lange wird.

Mehr über die Band und das Album gibt es unter gorkigagarin.com. Das Album ist auch hier auf iTunes erhältlich.

Konzerte: 
20. Mai, Basel, Sommercasino (Plattentaufe)
27. Mai, Olten, Coq d’Or
2. Juni, Bern, Werkhof 102
23. Juni, Näniken, Konkret > Festival
31. Oktober, Basel, Atlantis


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«On A Mission» ist die erste Single des Debütalbums.

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