Benjamin Keys: Basler Musiker haut in Hollywood in die Tasten

Mein grosser Traum ist eine internationale Tour.

Der Basler Musiker Benjamin «Keys» Leuenberger hat in der Schweiz mit Künstlerinnen und Künstlern wie Ira May, Debrah Scarlett oder Knackeboul zusammengearbeitet. Dabei spielte er an fast allen grossen nationalen Festivals. 2016 zog er in die USA, und lebt seit dann in Kalifornien seinen Musiker-Traum. Im E-Mail-Interview mit miwi.ch erzählt der 27-Jährige wie er in den USA an Jobs kommt, was ihm sein Keyboard bedeutet und weshalb er unbedingt auf Welttournee gehen möchte.

miwi.ch: War dir die Schweizer Musikszene zu langweilig oder weshalb bist du 2016 von Basel nach Kalifornien ausgewandert?
Benjamin Keys: 
In der Schweiz gibt es nur ganz wenige Künstler, die auf internationale Tourneen gehen. Vor allem im Soul/RnB-Bereich spielt eigentlich nur Seven auch in Deutschland und Österreich. Da mein grosser Traum eine internationale Tour ist, musste ich ins Popmusik-Mekka Los Angeles auswandern.

In Hollywood hast du ein Jahr lang Keyboard studiert. Wie sah dieses Studium am Musician’s Institute aus?
Ich hatte viermal in der Woche Schule direkt am Hollywood Walk Of Fame. Der Unterricht bestand aus verschiedenen Workshops, Einzelunterricht, Theorie, verschiedene Masterclasses, Businessclasses etc.

Mit Musik angefangen hast du als Sechsjähriger ursprünglich hinter dem Schlagzeug. Wieso hast du später zum Klavier und dem Keyboard gewechselt?
Ich schätze es, einfach Platz nehmen zu können und einen Song zu spielen oder zu improvisieren. Ausserdem liebe ich es, talentierte Sängerinnen und Sänger zu begleiten. Die Stimme ist für mich das schönste «Instrument» von allen, und ich mag es mit dem Klavier oder Keyboard die Stimme zu unterstützen.

Durch das Keyboard habe ich unvergessliche Erlebnisse gehabt.

Nach der Matur hast du zunächst an der Uni Basel Medienwissenschaften und Englisch angefangen zu studieren. Wann und weshalb hast du dich entscheiden, die Musik zu deinem Beruf zu machen und am Jazzcampus zu studieren?
Ursprünglich wollte ich Filmregisseur werden und schielte schon mit 16 Jahren mit einem Auge auf Hollywood. Ausserdem war ich immer extrem an Musik interessiert. Es dauerte jedoch eine Weile bis ich merkte, dass ich mich voll darauf konzentrieren will. Nach ein paar Monaten an der Uni Basel realisierte ich, dass ich es eben doch ernster mit Musik nehmen möchte. Ich denke mit 21 habe ich mich endgültig entschieden.

Was hast du aus deinem anschliessenden Jazz-Klavier-Studium in Luzern mitgenommen?
Heute spiele ich praktisch keinen Jazz mehr, sondern meistens RnB/Pop. Jedoch habe ich in diesen drei Jahren eine unglaublich wichtige theoretische und praktische Basis für Musikverständnis im allgemeinen erlernt und würde es sicher wieder machen.

Dein Künstlername «Keys» spielt ebenfalls auf dein Instrument an. Was bedeutet dir das Keyboard-Spielen?
Das Keyboard ist das Fundament von meinem Leben in den letzten Jahren. Durch das Keyboard habe ich unvergessliche Erlebnisse gehabt, unzählige neue Freunde kennengelernt und bin nach Hollywood gezogen.

Ich gehe davon aus, dass das Keyboard-Spielen nicht einfach nur ein «in die Tasten hauen» ist, wie es der Titel suggeriert. Wie muss man sich deine «Arbeit» vor und während eines Konzerts vorstellen?
Ganz genau – mindestens genauso viel Arbeit vor einem Konzert wie mit Songs lernen verbringe ich mit Sounds programmieren. In einem Popsong muss ich möglicherweise neben einem simplen Klavier auch zum Beispiel ein Synthsolo spielen, Streicher, Bläser etc. Deshalb haben Keyboarder oft mehr als nur ein Keyboard auf der Bühne. Diese Sounds muss man zuerst finden und dann eventuall noch abändern, damit sie genau so klingen wie im Song auf Platte.

Und vom Rap-Business – du warst von 2009 bis 2014 in der Schweiz als Kuzco unterwegs – hast du ganz Abstand genommen?
Ich habe definitiv aufgehört zu rappen. Ich wollte nicht als «Hobbyrapper» enden, und musste mich 2015 entscheiden entweder ganz auf Rap zu setzen oder eben gar nicht. Die Entscheidung fiel mir relativ leicht: Mir schien mein Rap Abenteuer zu diesem Zeitpunkt als beendet, und ich wollte mich voll auf das Keyboard konzentrieren. Für das Herzblut und die Zeit, welche man in ein Album steckt, war mir die mögliche Reichweite als Schweizer Rapper zu klein.

Man muss hier Kontakte pflegen – also sich mindestens gegenseitig auf Instagram folgen. ;)

Seit 2016 gibt es dafür die «The Benjamin Keys Show». Was ist das für ein Projekt?
«The Benjamin Keys Show» ist ein Projekt bei dem ich meine Lieblingsmusiker und SängerInnen einlade und wir zusammen Songs und Arrangements von mir performen. Da ich mehrheitlich für andere Künstler arbeite, habe ich dieses Projekt in dem ich mich voll austoben kann und genau das spielen was ich will. Wir haben zum Beispiel am grossen Open Air Basel gespielt im Sommer 2016.

Als Instrumentalist steht man in der Regel ja eher etwas im Hintergrund – bekannt sind meistens die Sängerinnen oder Sänger. Ist dieses nach dir benannte Projekt auch ein Weg, um aus diesem Hintergrund zu kommen?
Es geht nicht unbedingt darum im Vordergrund zu stehen. Aber es ist nun einmal mein Projekt mit rotierenden Musikern, deswegen trägt es auch meinen Namen.

Führst du das Projekt trotz deines USA-Abenteuers weiter?
Ja, ich werde es Ende 2018 wieder mehr in Angriff nehmen!

Wie sieht dein Alltag in Hollywood derzeit aus?
Grundsätzlich habe ich fast jeden Tag Proben oder irgend ein Konzert. Ansonsten bin ich zuhause und über oder antworte auf Mails und organisiere meine Woche. Ein selbständiges Musikerdasein erfordert viel Planung.

Wie kommst du in den USA als junger Auswanderer an Aufträge?
Es braucht auf jeden Fall Geduld. Die ersten Monate nach der Schule waren schwierig. Unterdessen kann ich jedoch von der Musik leben. Es gibt kein Rezept wie man hier erfolgreich wird. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Jedoch läuft nichts ohne Connections. Das heisst am Anfang ist es wichtig so viele Leute wie möglich kennenzulernen und die Kontakte zu pflegen, also sich mindestens mal gegenseitig auf Instagram folgen. ;)

Reicht dein Einkommen bereits für eine Traumvilla in den Hollywood Hills?
Ich denke in einem halben Jahr wird es soweit sein! Nein – Spass beiseite: Als Livekeyboarder in den Hollywood Hills zu leben ist nicht realistisch. Da müsste man zum Beispiel auch noch Songwriter von ein paar Hits sein oder daneben ein anderes erfolgreiches Business betreiben.

Im Ace Hotel Theatre, Downtown Los Angeles.

Einmal zu spät in die Probe kommen, kann heissen, dass dein Telefon das nächste Mal nicht mehr klingelt.

Derzeit arbeitest du in den USA mit Singer-Songwriter Cody Lovaas und Ollie Gabriel zusammen. Wie sieht diese Zusammenarbeit aus?
Relativ simpel: Ich werde bezahlt für Proben und Konzerte. Das heisst ich lerne Songs, die mir zugeschickt werden und muss diese in den Proben perfekt spielen können.

Welche Unterschiede gibt es zwischen deiner Arbeit als Musiker in der Schweiz und in den USA?
Hier ist alles professioneller und organisierter. Dadurch leider auch ein wenig unpersönlicher. Es geht um viel mehr Geld und dadurch steigt auch der Druck. Einmal zu spät in die Probe kommen, kann heissen, dass dein Telefon das nächste Mal nicht mehr klingelt für diese Band.

Gibt es etwas, was du in den USA vermisst?
Ich vermisse es, einfach einmal mit Freunden rauszugehen und in der warmen LA-Nacht draussen ein kühles Bier zu trinken – Alkohol im Freien ist hier nicht erlaubt …

Auftritt mit Ira May an der renommierten Baloise Session in Basel.

Die Schweizer «Musikerinnen-und-Musiker-Auswanderer-Kolonie» in Los Angeles wächst stetig. Gibt es da auch einen regen Austausch?
Nicht unbedingt einen regen Austausch, aber man kennt und schätzt sich mit Sicherheit. An diese Stelle ein Shout-Out an Roberto Cerletti, Fabian Egger, Zibbz, Carlo Ribaux und Greg Manning.

Möchtest du längerfristig in den USA bleiben und dort musikalisch Fuss fassen?
Ja unbedingt! Das Level der Musiker hier im Pop/RnB Bereich ist unglaublich. Ausserdem habe ich mein grosses Ziel von einer langen internationalen Tour noch nicht erreicht.

Weshalb dieses grosse Ziel?
Verschiedene Länder zu bereisen und gleichzeitig Konzerte zu spielen ist für mich ein fantastischer Gedanke. Gleichzeitig weiss ich auch, das eine Tour extrem anstrengend sein kann. Mich darüber beklagen kann ich ja aber dann, wenn ich es gemacht habe. ;)

Die Webseite von Benjamin Keys gibt es unter benjaminkeysmusic.com. Sein Instagram unter instagram.com/benjykeys.(alle Bilder: zvg)


ÜBER DEN AUTOR:
miwiGesungen habe ich immer gerne – leider nur auf Schulchor-Niveau. Heute beschränke ich mich daher lieber auf das Musikhören. Gut, gehörte zu meinem ersten Job beim Radio auch das Einsortieren der neuen CDs. Da gab es viele neue Musik zu entdecken. Auch heute gehe ich regelmässig auf Entdeckungstour – weltweit im Web. Meine Abenteuer teile ich hier auf miwi.ch gerne mit Euch. Mehr über mich gibt es unter michaelwieland.ch zu lesen.


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