NOXX übers Trommeln, Liebeslieder auf Englisch und banale Songideen aus dem Alltag

Man kann mit Musik jedes Gefühl und jeden Gedanken verarbeiten – das ist unglaublich erfüllend.

NOXX, das ist Tamino Weggler. Der 1993 geborene Schweizer hat vor Kurzem sein Debütalbum «Es halbs Kilo Songs» veröffentlicht. Darauf singt der Musiker auf Englisch, Schweizerdeutsch und Hochdeutsch. Im E-Mail-Interview mit miwi.ch spricht NOXX über diesen Sprachenmix, seine musikalischen Anfänge auf der Basler Trommel und die Träume für die Zukunft.

miwi.ch: NOXX, dein erstes Album ist da – wie fühlst du dich?
NOXX: Super! Ich bin sehr erleichtert, dass alles doch noch geklappt hat. Ich hatte einige Stolpersteine im Weg: Von Finanzierungslücken bis zu einem kaputten PC im Studio blieb mir nichts erspart. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich meinen Zeitplan einhalten konnte. Mittlerweile hat sich auch die kleine Leere, die sich unmittelbar nach der Veröffentlichung in mir aufgetan hat, wieder gefüllt: Ich bin schon wieder an neuer Musik dran und damit beschäftigt das Album zu bewerben sowie Gigs an Land zu ziehen.

Was bedeutet Musik für dich?
Ich sehe Musik als unglaublich erfüllende Kunstform. Man kann jedes Gefühl und jeden Gedanken musikalisch verarbeiten. Besonderes Augenmerk lege ich dabei auf meine Texte, da ich darin eine meiner Stärken sehe. Mit einem guten Text ist es meist ein Kinderspiel eine passende Melodie zu finden, die den Inhalt der Worte widerspiegelt.

Wie hast du mit dem Musizieren begonnen?
Als Kind habe ich sehr gerne und viel gesungen, danach während der Schulzeit jedoch eher Freude am Dichten gefunden. Mit 8 Jahren habe ich mit dem Trommeln (Basler Trommel) angefangen und das war lange Zeit das einzige, was mich interessierte. Ich war ein ziemlicher Trommelnerd und das Rhyhtmusgefühl, das ich dabei entwickelt habe, hilft mir heute meine Texte zu rhythmisieren.

Wie kamen die weiteren Instrumente dazu? Weshalb bist du nicht «nur» beim Trommeln geblieben?
Mit etwa 16 Jahren habe ich begonnen Beats zu produzieren, erst mit Garage Band und danach mit Logic Pro. Bald folgten die ersten Rap-Songs, die ich über diese Beats schrieb. Während meiner Zeit als Tambour bei der schweizerischen Militärmusik hatte ich Gelegenheit, ein paar Stunden Gesangsunterricht zu nehmen sowie mich mit dem Klavier etwas vertraut zu machen. Während dem Wirtschaftsstudium bin ich dann zum Musikfreak mutiert. Ich habe mir eine Ukulele gekauft und wie wild geübt, bis ich die ersten Lieder mit Ukulele-Begleitung schreiben konnte. Bald folgten weitere Instrumentanschaffungen, unter anderem eine Cajon, Steel-Drums, eine Gitarre und ein Clavinova.

NOXX ist ein Überbleibsel von meinem früheren DJ-Namen.

Wieso dein Künstlername NOXX?
Das ist ein Überbleibsel von meinem früheren DJ-Namen Tam Nox. Ich habe eine Zeit lang zusammen mit einem Freund in Graubünden aufgelegt. Aus Tamino ist dann irgendwie Tam Nox entstanden. Das Tam fand ich jedoch mit der Zeit blöd, deshalb habe ich das gestrichen. Und um den Namen etwas zu individualisieren, ist das zweite X noch dazugekommen. Aber der Name bedeutet nicht wirklich irgendwas. Dafür müsste ich mir noch was einfallen lassen. ;)

Wie entstehen deine Songs?
Für die Popsongs auf dem Album hatte ich zuerst meist einen Text, zu dem ich dann Akkorde und eine Melodie gesucht habe. Die Rapsongs sind genau andersrum entstanden. Da hatte ich zuerst den Beat und hab den Text darauf geschrieben.

Wie kommst du auf Songthemen?
Das ist unterschiedlich. Wenn ich aktiv nach Songideen suche, dann suche ich mir ein relativ banales Thema aus und versuche darüber ein Lied zu schreiben. Von den Liedern dieser Art hat es aber nur «Ikaufa» aufs Album geschafft. Manchmal kommt mir im Alltag ein dummer Gedanke oder ich rege mich über etwas tierisch auf (z.B. Trolland Dumb), darüber muss ich dann ein Lied schreiben. Und manchmal passieren mir einfach Dinge – zum Beispiel in der Liebe – oder ich stehe im Leben vor einer herausfordernden Situation, die ich dann mittels einem Lied analysieren und verarbeiten möchte.

Bei Liedern über die Liebe, schätze ich die Distanz, die entsteht, wenn ich auf Englisch schreibe.

Du schreibst und singst in verschiedenen Sprachen – weshalb dieser Sprachenmix?
Einfach, weil ich mich bisher nicht für eine entscheiden konnte. Kann gut sein, dass noch weitere dazukommen. Ich kann auf Schweizerdeutsch detaillierter und pointierter schreiben als auf Englisch. Allerdings ist es dann auch intimer. Gerade bei Liedern, die von der Liebe handeln, schätze ich die Distanz, die entsteht, wenn ich auf Englisch schreibe.

Was machst du neben der Musik?
Momentan arbeite ich bei STICKSTOFF, eine Basler Showtrommelformation, als Drumming-Performer und gebe Trommelunterricht in Domat/Ems. Ich überlege mir aber auch, im Herbst mit dem Wirtschaftsmaster in Basel anzufangen; wenn dann aber nur Teilzeit, damit genügend Zeit für Musik bleibt.

Die Plattentaufe stieg Ende März in der Verso Bar in Basel.

Welche Ziele verfolgst du mit der Musik?
Ich möchte von der Musik leben können. Das ist mein grosses Ziel. Und ich möchte Musik auch als Medium nutzen, um auf Probleme in unserer Gesellschaft hinzuweisen oder Missstände aufzudecken. In Zukunft werde ich zweispurig fahren, das heisst, ich werde EPs auf Schweizerdeutsch und EPs auf Englisch veröffentlichen, um diese etwas gezielter im Musikmarkt positionieren zu können. Die deutschen Lieder werden mehr vom Inhalt geprägt sein, die Englischen versuche ich noch etwas tanzbarer zu machen, ohne dass der Inhalt darunter leidet. Zusätzlich suche ich nach dem einen, einzigartigen Twist, der meine Musik unverkennbar machen soll.

Ein «halbes Kilo Songs» ist also erschienen, wann folgen die nächsten 500 Gramm?
Das weiss ich noch nicht. Wie angetönt, werde ich vermutlich zukünftig eher EPs als Alben veröffentlichen. Ich hoffe, dass ich bereits dieses Jahr noch eine Schweizerdeutsche EP veröffentlichen kann.

Das Album ist hier auf iTunes erhältlich. Mehr über den Musiker gibt es unter noxx-musik.ch.


ÜBER DEN AUTOR:
miwiGesungen habe ich immer gerne – leider nur auf Schulchor-Niveau. Heute beschränke ich mich daher lieber auf das Musikhören. Gut, gehörte zu meinem ersten Job beim Radio auch das Einsortieren der neuen CDs. Da gab es viele neue Musik zu entdecken. Auch heute gehe ich regelmässig auf Entdeckungstour – weltweit im Web. Meine Abenteuer teile ich hier auf miwi.ch gerne mit Euch. Mehr über mich gibt es unter michaelwieland.ch zu lesen.


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